Stadtrat Uwe Reckmann

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Ansprache zum Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren  am 11. November 2018

„Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten“. Mit diesem Zitat unseres ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl möchte auch ich Sie im Namen des Merseburger Stadtrates zu dieser Gedenkveranstaltung anläßlich des Kriegsendes vor 100 Jahren begrüßen

Unter Hurrarufen waren sie in den Ersten Weltkrieg gezogen. Siegreich werde das „gute deutsche Schwert“ aus dem Kampf hervorgehen, hatte Kaiser Wilhelm II seinen Soldaten Anfang August 1914 versichert. Auch Merseburg konnte sich der allgemeinen Kriegsbegeisterung nicht entziehen.

Doch schon nach wenigen Wochen ging der deutsche Angriff an der Westfront in einen erbitterten Stellungskrieg über. Kaiser Wilhelms Propaganda vom ritterlichen Kampf verpuffte im Labyrinth der Schützengräben.

Auch an der „Heimatfront“ schlug die anfängliche Kriegslust in immer stärkere Unlust um. Seit dem Hungerwinter 1916/17 schickten Frauen massenhaft „Jammerbriefe“ ins Feld, es gab Antikriegsstreiks. Im Herbst 1918 erreichte die Friedenssehnsucht den Siedepunkt: In Wilhelmshafen leiteten Matrosen in der Nacht zum 30. Oktober das Ende der Monarchie ein. Sie weigerten sich zum „Endkampf“ gegen England in denÄrmelkanal auszulaufen. Der Funke der Meuterei sprang auf Kiel über und weitete sich zum Flächebrand aus. Überall entstanden Soldaten- und Arbeiterräte. Ihre Forderungen: sofortiges Ende des Krieges, Entmachtung des Kaisers und demokratische Wahlen. Am 9. November war es soweit: Reichskanzler Max von Baden verkündete Wilhelms Abdankung und ernannte den Vorsitzenden der SPD, Friedrich Ebert zu seinem Nachfolger. Eberts Co-Vorsitzender Philipp Scheidemann rief in Berlin die Republik aus, die Menge jubelte. Zwei Tage darauf wurden die Kampfhandlungen eingestellt. Das Kaiserreich war tot, die Republik geboren. So verlief sie Nobember- Revolution und das Ende des Ersten Weltkrieges. Dennoch gab es bis Mai 1919 noch mehr als 5.000 Tote durch von reaktionären Freikorps verübte Gewaltexzesse.

Wir erinnern uns heute an das unendliche Leid und die Millionen von Toten, die dieser Weltkrieg gefordert hat. Nach 100 Jahren gibt es keine Augenzeugen mehr, die ihre Erfahrungen an ihre Nachkommen weitergeben können. Deshalb sind wir dem Merseburger Altstadtverein und insbesondere Herrn Dietmar Eißner sehr dankbar, dass die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ wieder in unsere Erinnerung getreten ist. Nachdem das Merseburger Heldendenkmal“ von 1927 im Jahr 1944 zerstört wurde und Totalabriss 1948 folgte gab es praktisch 70 Jahre lang kein Gedenken an den Ersten Weltkrieg in Merseburg. Erst durch Initiative des Altstadtvereins und das Verlesen der Namen der Gefallenen wurde das Thema wieder aufgegriffen.

Die Gedenktafel am Soldatenfriedhof in Merseburg-Süd, die Verlesung der Kriegstoten an fünf Sonntagen durch Merseburger Bürgerinnen und Bürger und die Enthüllung des Gedenksteins sollen auch den jetzt Lebenden und den nachfolgenden Generationen mahnendes Gedenken sein. Deshalb gedenken wir an diesem Ort den Gefallenen der beiden Weltkriege am Volkstrauertag.

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